Der HIV Test
Der HIV-Test ist „positiv“ – was tun?
Werden HIV-Antikörper oder HIV festgestellt und wird dieses Ergebnis in einem weiteren Test bestätigt, lautet das Testergebnis „positiv“; wird nichts nachgewiesen, ist das Testergebnis „negativ“. Ein positives Testergebnis sagt übrigens nichts darüber aus, ob und wann jemand an Aids erkranken wird; die häufig gehrte Bezeichnung „Aidstest“ ist daher falsch.
Es gibt viele Gründe, sich testen zu lassen: Gewissheit angesichts einer befürchteten Ansteckung, Wunsch nach un-geschütztem Sex in der Partnerschaft, Kinderwunsch, möglichst frühzeitige Nutzung der Therapiemöglichkeiten, die Abklärung von Krankheitszeichen wie anhaltendem Fieber oder Nachtschweiss, andauernden schweren Durchfällen oder dauernden Lymphknotenschwellungen usw. Auch in der Schwangerschaft ist ein HIV-Test zu empfehlen, um der Mutter gegebenenfalls eine antiretrovirale Therapie anzubieten und durch geeignete Massnahmen eine HIV-Übertragung von der Mutter auf das Kind zu vermeiden.
Menschen, die sich nach einer HIV-Risikosituation unsicher sind, ob sie sich infiziert haben könnten, sollten sich beraten lassen, z.B. in einer Aidshilfe (auf Wunsch auch telefonisch/ anonym), unter www.aidsberatung.de oder www.aidshilfe-beratung.de, im Gesundheitsamt, bei der Telefonberatung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (0221 -892031) oder bei einem erfahrenen Arzt/einer erfahrenen Ärztin. Empfehlenswert ist es, dabei auch eine Infektion mit anderen sexuell übertragbaren Krankheiten abklären zu lassen.
Der Test ist keine Vorbeugemassnahme gegen HIV, und ein negatives Testergebnis hat nur begrenzte Aussagekraft: Es bedeutet lediglich, dass ca. drei Monate vor der Blutabnahme keine HIV-Infektion vorlag. Wenn man in den drei Monaten vor der Blutabnahme, in der Zeit zwischen Blutabnahme und Mitteilung des Testergebnisses oder in der Zeit nach der Mitteilung des Testergebnisses ein HIV-Infektionsrisiko hatte, kann man trotz des Ergebnisses „HIV-Test negativ“ infiziert und für andere ansteckend sein.
Unabhängig davon, ob ein HIV-Test gemacht wurde oder nicht, und unabhängig vom Testergebnis gilt: Safer Sex und Safer Use schützen.
Test „positiv“ – was tun?
Das Bild der HIV-Erkrankung hat sich in den letzten Jahren verändert. Der medizinische Fortschritt ermöglicht es vielen HIV-Positiven (zumindest in den reicheren Ländern), viele Jahre oder Jahrzehnte mit dem Virus zu leben. Aber nach wie vor erleben viele das positive HIV-Testergebnis als tiefen Einschnitt. Ängste kommen auf: vor Krankheit und einem möglicherweise frühen Tod, die Sorge, HIV an andere weitergeben zu können, Angst vor den Reaktionen von Partnerinnen und Partnern, Freundinnen und Freunden, Angehörigen und Kolleginnen oder Kollegen.
Mit einem positiven Testergebnis und dem Leben mit HIV geht jeder anders um. Hilfreich kann Unterstützung des sozialen Umfelds, von anderen HIV-Positiven, vom behandelnden Arzt/von der behandelnden Ärztin oder von Aidshilfe-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern sein. Letztere beraten auch zu allen Fragen rund um das Leben mit HIV, stellen den Kontakt zu Selbsthilfegruppen her und bieten bzw. vermitteln bei Bedarf professionelle Unterstützung.
Auch wenn die HIV-Erkrankung nicht heilbar ist: Inzwischen gibt es zahlreiche antiretrovirale Medikamente, die mit grossem Erfolg gegen HIV eingesetzt werden (siehe S. 36). Und es gibt viele Erfahrungen, dass auch mit HIV ein gutes und erfülltes Leben möglich ist. Die HIV-Erkrankung ist also kein Grund, zu resignieren und auf Zukunftsplanung zu verzichten.
HIV-positiv zu sein heisst allerdings auch, für andere Menschen potenziell ansteckend zu sein, vor allem in der akuten Phase der Infektion (siehe S. 7) und wenn man keine wirksame antiretrovirale Therapie macht. Schutz bieten Safer Sex und Safer Use. Damit schützen HIV-Positive auch sich selbst vor Ansteckung mit weiteren HIV-Stämmen, was die Behandlungsmöglichkeiten einschränken könnte. Zum anderen mindern sie so auch das Risiko einer Ansteckung mit anderen sexuell/durch Blut übertragbaren Krankheiten wie Hepatitis (gegen Hepatitis A und B sind Impfungen zu empfehlen), Syphilis und Tripper, die das Risiko einer HIV-Übertragung erhöhen und ausserdem ihr Immunsystem zusätzlich belasten und die Behandlung komplizierter machen können.